BRUSTWIRBELSÄULENSCHMERZEN
Brustwirbelsäulenschmerz

·        Brustwirbelsäulenschmerzen treten gegenüber Schmerzen in anderen Wirbelsäule nabschnitten prozentual am wenigsten auf. Statisch-dynamische Faktoren spielen hier eine untergeordnete Rolle, es dominieren reflektorische (= von einem anderen erkrankten Organ ausgehende, reflexartige) Störungen, hauptsächlich im myofaszialen (= Muskeln und deren Gewebsumhüllung betreffenden) System

Nicht selten sind auch Interkostalnerven (= Zwischen rippen nerven) im Sinne einer pseudoradikulären Symptomatik (= Krankheitszeichen, die von einer scheinbar gestörten Nervenwurzel ausgehen) beteiligt. Eine radikuläre Symptomatik (= Krankheitszeichen, die von einer tatsächlich gestörten Nervenwurzel ausgehen) kann leicht übersehen werden, da z.B. bei motorischen (= die Muskelfunktion betreffenden) Ausfällen kaum eine körperliche Beeinträchtigung eintritt, es sei denn, es sind mehrere Interkostalnerven (= Zwischen rippen nerven) betroffen, was dann zu einer Störung der Lungenfunktion führen kann. Ein Brustwirbelsäulenschmerz wird von den betroffenen Patienten meist mit dumpf und drückend charakterisiert. In der Regel ist die Muskulatur neben der Wirbelsäule verhärtet und druckschmerzhaft. Oft besteht auch Klopfschmerzhaftigkeit über den Dornfortsätzen der Wirbelkörper. 

Relativ häufig kommt es zu einem Brustwirbelsäulenschmerz im Rahmen von Wachstumsstörungen auf (z.B. Morbus Scheuermann, Skoliose), begünstigt durch die damit verbundene Fehlhaltung.

Brustwirbelsäulenschmerzen können auch infolge zusammengebrochener Wirbel aufgrund einer Osteoporose auftreten. Nicht selten stellen sich ein Brustwirbelsäulenschmerz auch nach einem unfallbedingten Wirbelbruch ein.

Viszerale (= die Eingeweide betreffende) Übertragungsschmerz en (Referred pain) sind stets in die differentialdiagnostischen Erwägungen (= Überlegungen, welche Krankheiten noch in Frage kommen können) mit einzubeziehen. Störungen bzw. Krankheiten von Herz und Bauch speicheldrüse führen oft zu Beschwerden zwischen den Schulter blättern. Auch Erkrankungen der Speiseröhre, Pleura (= Brustfell) und Fehlbildungen der Brustaorta (= Brust schlagader) können zu Beschwerden in der B W S-Region führen.

Auflistung vertebragener (= wirbelsäulenbedingter) Ursachen für einen Brustwirbelsäulenschmerz:

Degenerative Veränderungen (= durch Abnutzung hervorgerufen)
        - Bandscheibenschäden (Bandscheibenvorwölbung, Bandscheibenvorfall)
        - ligamentäre Insuffizienz
(= Funktionsstörung von Haltebändern)
        - Störung der gelenkigen Wirbelverbindungen
        - knöcherne Veränderungen (Randzacken, Knochen
wulste usw.)
Mißbildungen
        - angeborene (z.B. Spina bifida, Blockwirbel, Keilwirbel)
        - Wachstumsstörung (z.B. Skoliose, Morbus Scheuermann)
Entzündliche Erkrankungen
        - Rheumatischer Formenkreis (z.B. Polymyalgia, Morbus Bechterew)
        - Infektionserkrankungen (Spondylitis z.B. durch Tbc, Staphylokokken)
Generalisierte Skeletterkrankungen
        - (z.B. Osteoporose, Os
teomalazie)
Tumoren der Wirbelsäule
        - Primärtumoren (hauptsächlich Plasmozytom)
        - Metastasen
Traumen
(= Verletzungen) (z.B. Frakturen)
Defekte, nicht verletzungsbedingte (z.B. Spondylolyse)

Medikamentöse Schmerztherapie:
Akut
(= plötzlich einsetzend, heftig) und subakut (= eher schleichend verlaufend) können zunächst (vorwiegend) peripher wirkende Analgetika (= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika (= Rheuma mittel), aus dieser Gruppe möglichst lang wirkende und magen schonende wie z.B. Meloxicam. Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib oder Etoricoxib, allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch Muskel
relaxanzien (= Mittel zur Entspannung von Muskeln) (z.B. Orphenadrin, Tolperison) verordnet werden. 
Manchmal sind aber die Schmerzzustände nur mit zentral wirkenden Analgetika
(= im Gehirn bzw. Rücken mark wirkende Schmerzmittel) (z.B. Tramadol, Tilidin, bzw. Tilidin mit Naloxon oder auch Mophin) beherrschbar.
Grundsätzlich sollte aber auch bei Brustwirbelsäulenschmerzen eine längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar Schmerzmittelabhängigkeit vermieden werden. Die Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva
(= Mittel gegen Depression, u.a. aber auch bei diesen Schmerzen hilfreich) (z.B. Doxepin, Maprotilin) hilft in vielen Fällen Schmerzmittel einzusparen.

Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika):
(Diese Therapie kann in der aufgeführten Form wohl kaum in keiner anderen Klinik  durchgeführt werden)
Bei anhaltenden Schmerzen im BW S-Bereich sollten rechtzeitig alternative Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die therapeutische Lokalanästhesie mit einem lang wirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) in Form von örtlichen Betäubungen und Nervenblockaden.

Infiltrative Lokalanästhesie (= Infiltration mit einem örtlichen Betäubungsmittel):

Periphere temporäre Nervenblockaden (= mehr oberflächliche, zeitlich begrenzte Nervenbetäubungen):
Periphere (= oberflächliche) Schmerzprojektionen entlang der Interkostalnerven (= Zwischenrippennerven) sprechen gut auf wiederholte Interkostalblockaden mit einem örtlichen Betäubungsmittel an. In hartnäckigen Fällen kann die Blockadefrequenz durch Implantation eines Katheters (* siehe unten) erhöht werden.
 

Rückenmarknahe Blockaden bei einem Brustwirbelsäulenschmerz: 

Eine peridurale Blockade (= rücken marknahe Betäubung) im Brustwirbelsäule nbereich bedarf einer sehr strengen Indikationsstellung (= Abwägung von Nutzen und Risiko), weil das therapeutische Risiko ungleich höher anzusetzen ist. Eine indirekte, peridurale Blockade im Brustwirbelsäule nbereich läßt sich mit geringerem Risiko mittels der lumbalen (= den Lenden bereich betreffenden) Periduralblockade erzielen, in dem das verabreichte Volumen so erhöht wird, daß die Segmente der Brustwirbelsäule erreicht werden. Bei Anwendung der Kathetertechnik* kann die Blockadefrequenz beträchtlich gesteigert werden. 
Statt mit einem örtlichen Betäubungsmittel kann eine rückenmarknahe Blockade auch mit einer verdünnten Morphin-Lösung durchgeführt werden, allerdings ist dabei die oft zu beobachtende, über die Behandlungszeit hinaus anhaltende Wirkung deutlich weniger ausgeprägt. 
Bei einem sehr schweren und sonst kaum behandelbaren Rückenschmerz kann zur Durchführung rückenmarknaher Blockaden auch eine kleine Schmerzpumpe unter die Haut eingepflanzt werden. Das Arzneimittelreservoir der Pumpe wird dann in bestimmten Zeitabständen durch die Haut hindurch mit Hilfe einer Spritze wieder aufgefüllt.

*   Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht “aufgeschnitten” werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das Lokalanästhetikum (= örtliches Betäubungsmittel) völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Das örtliche Betäubungsmittel wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der Schmerzreizleitung), damit begleitend physiotherapeutische Behandlungen (= Krankengymnastik und Anwendungen) möglich bleiben. Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Nerven betroffen sind (Sympathikolyse), woraus im behandelten Körperbereich eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert. Dies ist der Grund, warum diese Behandlungsmethode besonders bei Schmerzen, die durch entzündliche oder auch degenerative (= abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, hilfreich ist. Gleiches gilt für auch Schmerzen im Rahmen einer Nervenerkrankung, da eine verbesserte Durchblutung auch den Nervenzellstoffwechsel optimiert. Nach neueren Erkenntnissen vermag eine solche  intensive Blockadebehandlung auch das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen.

Physikalische Therapie bei einem Brustwirbelsäulenschmerz:
Auch eine Elektrostimulation kann eine Beschwerdelinderung herbeiführen. Die transkutane Nervenstimulation mit Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) hat den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf selbst behandeln können. Die Elektroden werden paarig neben der W
irbelsäule im Schmerzbereich aufgeklebt. Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die Wirkung optimiert werden. Wir verordnen TENS grundsätzlich nur leihweise für 6 Monate, da erfahrungsgemäß die Wirkung nach längerer Anwendung nachläßt. Auch eine sog. Hochtontherapie kann sehr hilfreich sein.
Die elektrische epidurale Rückenmarksstimulation erfordert eine strenge Patientenauswahl. Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit ist die oberflächliche Kältetherapie im Schmerzbereich. Wir verwenden einen elektrischen Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C abgekühlt ist. 
Manche Patienten mit Brustwirbelsäulenschmerzen (gilt auch für andere Schmerzen) empfinden allerdings lokale Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam. Warme Bäder können ebenfalls B
W S-Schmerzen lindern. 
Die Verordnung von Massagen ist auch bei Brustwirbelsäulenschmerzen nicht sinnvoll. Für den Patient mag diese Behandlung zwar angenehm sein, aber unter schmerztherapeutischem Aspekt bringt sie nichts und führt nur zu unnötigen Kosten.
Nahezu unverzichtbar dagegen ist bei Brustwirbelsäulenschmerzen die heilgymnastische Therapie, da meist nur diese geeignet ist, einen ärztlichen Behandlungserfolg zu sichern und längerfristig zu stabilisieren. Dabei gilt es, die Muskeln neben der Wirbelsäule zu trainieren, da auf Dauer nur eine kräftige/suffiziente Muskulatur eine statische und dynamische Schwäche des Achsenorgans kompensieren kann. 
Besonders bei akuten Blockierungen hat die manuelle Therapie (Chi
rotherapie) durchaus gute Erfolge aufzuweisen. 
Bei schmerzhaften degenerativen
(= durch Abnützung hervorgerufenen) Veränderungen der W irbelsäule wird auch eine Röntgenbestrahlung empfohlen (Thomalske 1991).
Eine Magnetfeldtherapie (pulsierende Signaltherapie) kann ebenfalls schmerzlindernd wirken.

Andere Therapiemaßnahmen:
Der Vollständigkeit halber darf die Akupunktur nicht unerwähnt bleiben. 
Wichtig sind individuelle Instruktionen zur richtigen Haltung und Vermeidung von übermäßigen Wirbelsäulenbelastungen (funktionelle Ergotherapie bzw. Rückenschule). Darüber hinaus ist anzustreben, dass die betroffenen Patienten Übungen zur Lockerung der Mus
kulatur erlernen.
Hypnoide
(= bewußtseinsverändernde) Verfahren wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson sind auch bei Brustwirbelsäulenschmerzen eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie, da auch sie zu einer muskulären Entspannung führen, ebenso Biofeedback (= Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale).  
Psychotherapeutische Interventionen
können beim ausgeprägten "psychosomatischen Schmerz" angezeigt sein, da auch verdrängte Konflikte muskuläre Verspannungen und Schmerzen verstärken können.

Bestehen chronische Schmerzen längerfristig, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.

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Aktualisiert: >10.08.2007</> kusb
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www.norderney-insel-hotel.de/norderney-hotel
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